Wie entstehen seelische Probleme?

Viele psychische Erkrankungen nehmen ihren Ursprung in der Erfahrungen der Kindheit. Vor allem, wenn mit frühen Bezugspersonen (Eltern, Geschwister, Großeltern) überwiegend negative Erfahrungen gemacht werden, kann dies bei einem Kind seelische Spuren hinterlassen. Bei extremer Vernachlässigung können diese "Stressnarben" so groß werden, dass man sie mit der modernen Medizin auch in ihren anatomischen Entsprechungen darstellen kann.

Auch dann, wenn keine Veränderungen der Gehirnstruktur festzustellen sind, hinterlassen negative Erfahrungen der Kindheit seelische Spuren. Um solche seelischen "Narben" herum versucht die betroffene Person, sich ihrem psycho-biologisch vorgegebenen Muster folgend, zu entwickeln. Dies führt, manchmal schon während der Kindheit und Jugend, zu inneren und äußeren Krisen, je nach dem, welche Anforderungen die körperliche und seelische Entwicklung und die Umwelt stellen. Die dabei gefundenen Lösungen, diesen inneren und natürlich auch äußeren Anforderungen zu genügen, bilden sich dann in inneren Verhaltens- und Denkmustern ab, die im späteren Leben die Betroffenen dazu bringen können, für sie nachteilige Verhaltensweisen, Beziehungen und schließlich auch psychische Symptome zu entwickeln.

Menschen können ihr ganzes Leben über verschiedensten negativen Erfahrungen wie Armut, Krankheiten, Unfällen oder Gewalttaten begegnen. Wenn solche schicksalhaften Begebenheiten dann die inneren Fähigkeiten eines Menschen übersteigen, diese zu ertragen, entstehen auch im Erwachsenenalter seelische "Narben". Man sprich dann von einem seelischen Trauma, das noch auch Jahre nach dem eigentlichen Erlebnis zur Ursache von körperlichem und seelischem Leiden werden kann.

Weiterführende Hinweise zum Thema:
• Frühe Schädigung, große Wirkung – Aspekte der Bindungsforschung (Hessischer Rundfunk - Podcast)
• Kindheit bestimmt das Leben (Wettig, Ärzteblatt 2006)